Rückkehr nach Essen

2007-10-20

Während die neuen Freiwilligen nun alle ihren Dienst in Chile angetreten haben, trafen sich die Rückkehrer der Freiwilligengeneration 2006/2007 um teilweise schon mit einigem Abstand ihr Jahr in Chile zu reflektieren.

Lennart Thomsen berichtet...

Wiedersehen in Essen

Nachdem sich alle unserer Freiwilligengeneration wieder einigermaßen in Deutschland eingelebt hatten, trafen wir uns am 15.September zusammen mit einigen FiFArs in Altenessen. Ziel war die Nachbereitung und Weitergabe unserer Erfahrungen, um einen vollständigeren Abschluss des Jahres zu erreichen und natürlich die anderen in der Gruppe wiederzusehen- teilweise nach über drei Monaten zum ersten Mal wieder.

Die Umgebung für eine ‚Reunión‘ war jedoch erst einmal ungewohnt und manch einer wurde an das Auswahlgespräch erinnert, mit dem alles angefangen hatte. Nachdem nach und nach alle eintrudelten, wurde sich schnell über die endgültigen Zukunftspläne der anderen informiert.

Als Einstieg in den Tag begannen wir bei Kaffee und Getränken mit einer kurzen Runde, in der wir unsere derzeitiges Verhältnis zu Chile im wahrsten Sinne des Wortes darlegten (mit einem Stein) und knapp beschrieben. Mir hat diese Runde geholfen, zu sehen, dass es den anderen teilweise genauso ging und geht und die gleichen Probleme in den ersten Wochen in Deutschland hatten und haben. Sie sich nach der Wiederankunft auch in einem Auf und Ab befinden, Chile und die Projekte sehr vermissen und manchmal von einem plötzlichen Gefühl der Traurigkeit überwältigt werden.

Den restlichen Vormittag bis zum leckeren Mittagessen verbrachten wir mit dem Er- und Vorstellen einer individuellen Wohlfühl-Kurve über das Freiwilligenjahr bis zum aktuellen Zeitpunkt (15.September). Ein angedeuteter w-Verlauf war für diese Kurven typisch, was mit einem Modell des sog. Kulturschockes übereinstimmt: am Anfang eines längeren Auslandsaufenthaltes steht die Euphorie mit der Freude auf das Neue; danach kommt normalerweise eine Phase der Missverständnisse und Kollisionen mit der fremden Kultur, wobei auch die Sprachbarriere eine mitentscheidene Rolle spielt; mit der Zeit weicht dieses Loch der Unzufriedenheit aber durch evtl. Anpassungen und einer größeren Akzeptanz der Fremdkultur gegenüber und nicht selten beginnt danach die schönste Phase bis zum Tag der Wiederankunft in der alten Welt; hier ist es nicht ungewöhnlich, wenn ein erneuter Tiefpunkt erfolgt, weil das Einleben in eigentlich gewohnter Umgebung und das Fernweh die mentale Ankunft erschweren. Jedoch nur für gewisse Zeit.

Auffällig war auch, dass das Wohlbefinden in den Projekten einen sehr großen Einfluss auf die Wohlfühl-Kurve hatte und diese stark prägte. Auch persönliche Highlights wie besondere Reisen, Besuch aus Deutschland und Bindungen zu Chilenen waren ausschlaggebend und richtungweisend.

Nach dem Essen war der Nachmittag schnell vorüber. Inhaltlich ging es um mögliche Veränderungen, Ideen und Verbesserungsvorschläge für zukünftige Strukturen vor Ort in Chile und auch bei FiFAr. Dazu gehörte auch, die vielen Veränderungen während unseres Jahres, vor allem hinsichtlich der Arbeit in den Projekten, noch einmal mit Abstand zu beleuchten. Abschließend verfassten wir ein Plädoyer für den Freiwilligendienst im Ausland und eine Dankes-Karte an unsere Projektpartner.

Den restlichen Samstag und frühen Sonntag verbrachten wir natürlich noch sehr nett zusammen und Mirko brachte die Idee für eine große „Freiwilligen-Party“ aller ehemaligen Generationen ins Gespräch - vamos a ver, was daraus wird!

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© lt 2007-10-20